Newsletter vom 05.12.2010

 

 

 
2,1 Billionen US-Dollar Schaden
 
Tag fünf der Klimakonferenz: 600.000 Menschen sind bislang bereits an den Folgen der Erderwärmung gestorben. Und glaubt man einer spanischen Untersuchung, kommen binnen der nächsten 20 Jahre eine Million Menschen dazu.
Aus Cancún Nick Reimer
 
Gleich drei Gutachten haben heute am Rande der Klimakonferenz für Aufsehen gesorgt. Die Weltbank stellte eine Untersuchung zur Rolle der Städte bei der Erderwärmung vor, Germanwatch den Klima-Risiko-Index, und die in Madrid ansässige Nichtregierungsorganisation DARA präsentierte eine Untersuchung, derzufolge an der Erderwärmung eine Million Menschen bis 2030 zu Grunde gehen.
 
Beginnen wir mit letzter Studie: Die Autoren untersuchten die Folgen der Erderwärmung für 184 Länder in den Bereichen Gesundheit, Umwelt und Wirtschaft. Besonderes Augenmerk wurde dabei auch auf die Folgen der Wüstenbildung und steigender Meerespiegel gelegt. Ergebnis: Künftig werden jedes Jahr Schäden in Höhe von 117 Milliarden Euro zu erwarten sein - gemessen an der heutigen Wirtschaftskraft.
 
Die Studie bestätigt zudem, was frühere Arbeiten bereits ausgeführt hatten: Arme Länder werden stärker betroffen sein. Zwar werden in 20 Jahren alle Staaten der Welt die Auswirkungen der Erderwärmung zu spüren bekommen. "Akute" Gefahren drohen der Studie zufolge aber ausgerechnet 54 armen und sehr armen Ländern. Auf die Industrieländer kommen zwar nominal die höchsten Kosten zu, gemessen an der Wirtschaftsleistung tragen aber auch hier die Entwicklungsländer die größte Last.
 
Germanwatch untersuchte mit dem Klima-Risiko-Index, welche Länder aktuell betroffen sind. Demzufolge waren in dem Zeitraum 1990 bis 2009 die bitterarmen Staaten Bangladesh, Myanmar und Honduras jene Länder, die am stärksten von den Folgen der Erderwärmung betroffen waren. Dem Index zu Folge gab es zwischen 1990 und 2009 fast 14.000 extreme Wetterereignisse, bei denen mehr als 650.000 Menschen als direkte Folge starben. Germanwatch ermittelte Schäden in diesem Zeitraum in Höhe von mehr als 2,1 Billionen US-Dollar.
 
"Überraschenderweise waren 2009 auch Länder wie Taiwan, Saudi Arabien und Australien unter den zehn besonders betroffenen Staaten", erklärt Sven Harmeling, Autor des Index', bei dessen Vorstellung in Cancún. Demnach wurde die Liste der 2009 am stärksten von Unwettern heimgesuchten Staaten von El Salvador, Taiwan, den Philippinen und Vietnam angeführt.
 
Deutschland liegt im Germanwatch-Ranking im Jahr 2009 auf Platz 68. "Das war also eher ein harmloses Jahr", führt Harmeling aus. Bezogen auf den Zeitraum 1990 bis 2009 liegt die Bundesrepublik auf Platz 28, woran vor allem die Oderflut 1997, die Elbefluten 2002 und 2006 sowie die Hitzesommer 2003 und 2007 Schuld sein dürften.
 
Der seit 2006 erhobene Klima-Risiko-Index analysiert die Auswirkungen extremer Wetterereignisse sowohl hinsichtlich der Todesopfer als auch der wirtschaftlichen Schäden. Genutzt wird dazu die weltweit anerkannten Datenbank NatCatSERVICE des Versicherungskonzerns Munich Re. Harmeling erklärte, dass vor allem die Entwicklungsländer verstärkt in Anpassungsmaßnahmen investieren müssen. "Jeder jetzt investierte Euro wird später zwischen 2,5 bis 13 Euro an Katastrophenhilfe einsparen."
"Es ist aber leider offensichtlich, dass die angebotenen Gelder für Anpassung bei Weitem nicht den enormen Bedarf decken können", sagt Tonya Rawe, Expertin der Hilfsorganisation Care. Laut Weltbank sind alleine für die Anpassung jedes Jahr zwischen 75 und 100 Milliarden US Dollar erforderlich. Im Anpassungsfonds des Kyoto-Protokolls sind aktuell 130 Millionen Euro.
 
Drittens schließlich legte die Weltbank einen Bericht vor, nach dem 80 Prozent der globalen Treibhausgas-Emissionen von Stadtbewohnern verursacht werden. Gleichzeitig sind viele dieser Städte besonders von der Erderwärmung und dem folgenden Anstieg des Meerespegels bedroht, weil sie an der Küste liegen. Die 50 größten Städte der Welt haben zusammengenommen 500 Millionen Einwohner – und die verursachen 2,6 Milliarden Tonnen Kohlendioxid.
 
"Städte brauchen Unterstützung ihrer Regierungen um ihrer Verantwortung gerecht zu werden", so Andrew Steer, bei der Weltbank für Klimaschutz zuständig. Seiner Einschätzung nach seien die Städte auch bereit gegen die Treibhausgasproduktion vorzugehen. Unmittelbar vor der Klimakonferenz von Cancún hatte ein Stadtbündnis in Mexiko ein eigenes Klimasekretariat gegründet.
 
 
Klimakonferenzen sind irreparable Vehikel
 
Alle Jahre wieder kommt sie auf uns nieder, die große Klimakonferenz. Was 1992 in Rio de Janeiro begann, scheiterte bereits mehr als ein Dutzend mal -vergangenes Jahr besonders schwer im dänischen Kopenhagen -und heuer mit Sicherheit wieder im mexikanischen Cancun.
 
Nach jeder Konferenz ist die Welt auch um ein Stückchen Hoffnung ärmer.
 
Es ist ein fragwürdiges Konzept, Staatschefs aus der ganzen Welt zusammenzuholen, die einander beweisen, dass sie weder fähig noch Willens sind, einen gemeinsamen Ansatz zur Stabilisierung des Weltklimas zustande zu bringen.
 
Diese Klimakonferenzen sind irreparable Vehikel. Es ist an der Zeit, sie zu entsorgen.
 
Blick durchs Ofenrohr. Die isolierte Perspektive auf den CO 2-Ausstoß als weltweites Bedrohungsszenario für den Planeten Erde ist ohnehin nur ein Blick durch das Ofenrohr.
 
Die temporäre Reduktion des CO 2 Ausstoßes und der Ablasshandel mit Verschmutzungszertifikaten ist bestenfalls der Weisheit vorletzter Schluss. Hier wedelt der Schwanz mit dem Hund.
 
Labiles Sozialgefüge. Die exzessive Verbrennung fossiler Energieträger hat die Erdatmosphäre mit Klimagasen angereichert.
 
Die Beschaffung dieser Energieträger war und ist der Grund für militärische Interventionen. Die sich abzeichnende Verknappung birgt gigantische Gefahren für das ohnehin labile Sozialgefüge am Planeten.
 
Es ist undenkbar, dass die verbliebenen Restressourcen friedlich verteilt werden. Die Abhängigkeit der Volkswirtschaften der Nutzerländer gegenüber den Lieferländern hat sich dramatisch verschärft; in der Europäischen Union in den vergangenen zehn Jahren gleich von 50 auf 60 Prozent. Wenn das aktuelle Energienutzungssystem die Ursache nicht nur des Klimaproblems ist, sondern auch eine fulminante Bedrohung des gesamten Wirtschafts- und Sozialgefüges ist, warum dann nicht gleich das Übel an der Wurzel packen und ein tragfähiges Zukunftssystem schaffen?
 
Kopernikanische Wende. Eine kopernikanische Energiewende, die die Sonne -und nicht die Erde- in den Mittelpunkt der Energiebeschaffung stellt, würde nicht nur das Emissionsproblem lösen, sondern soziale Konflikte sowohl in den Entwicklungs- als auch in den Schwellenländern entschärfen. Für die Industrienationen ist die Stillung ihres Energiehungers ohnehin längst zur Existenzgrundlage geworden.
 
Kreatives Potenzial. Wenn überhaupt, so braucht der Planet Energiekonferenzen mit grundsätzlich kreativen Teilnehmern, statt "selten kreativen" Merkels (Anm.: Angela, deutsche Bundeskanzlerin) oder noch weniger kreativen US-Amerikanern, und er braucht jährliche Fortschrittsberichte. Also einen großen Wurf statt kleinem Gezänk.                           Von Hans Kronberger.
 
 
2010 mit Rekordwärme
 
Nach Angaben der World Meteorological Organization (WMO) wird 2010 mit großer Wahrscheinlichkeit als eines der drei wärmsten Jahre seit Beginn der Wetteraufzeichnungen in die Geschichte eingehen. Die globale Durchschnittstemperatur betrug von Januar bis Oktober des Jahres ungefähr 0,55 Grad mehr als im Durchschnitt von 1961-1990

2010 zu warm: Aber in Deutschland war´s zu kalt. (Foto: Michael Schulze von Glaßer)
 
Die zehn Jahre von 2001 bis 2010 waren zugleich die wärmste jemals gemessene Dekade. Die Temperaturen lagen 0,46 Grad über dem Durchschnitt von 1961-1990 und 0,03 Grad über dem von 2000-2009. Besonders betroffen von der Erwärmung waren Afrika, Teile Asiens und der Arktis. In den Regionen Sahara/Arabien, Ostafrika, Zentralasien,  und Grönland/arktisches Kanada lagen die Zehn-Jahres-Temperaturen 1,2 bis 1,4 Grad über dem langjährigen Durchschnitt.
 
Nur wenige und kleinere Regionen hatten demnach 2010 unterdurchschnittliche Temperaturen: neben West- und Zentralsibirien, Teilen Südamerikas, dem Inneren Australiens, dem Südosten der USA, Ostchina auch Nord- und Westeuropa. Für Nordeuropa war 2010 das kälteste Jahr seit 1996, insbesondere in Großbritannien, Frankreich und Deutschland. Bereits Ende November hatte das Global Carbon Projekt davor gewarnt, dass 2010 als das Jahr mit dem höchsten Kohlendioxid-Ausstoß in die Geschichte eingehen könnte.
 
 
Die Zeit läuft uns davon … Akademietagung über erneuerbare Energien  
 
Karlsruhe/Bad Herrenalb. Schon mal etwas von 20-20-20 gehört? Die Ziffernfolge ist keine Rufnummer einer Hotline, sondern steht für die EU-Ziele in Sachen Klimaschutz und Energie: 20 % weniger Treibhausgasemissionen als 2005, 20 % Anteil an erneuerbaren Energien und 20 % mehr Energieeffizienz sind bis zum Jahr 2020 europaweit zu erreichen. Das neue Energiekonzept der Bundesregierung will diese Ziele u. a. mit längeren Laufzeiten von Kernkraftwerken erreichen, es muss aber gefragt werden, ob man so die verlorenen gegangene Zeit für eine konsequente Wende hin zu erneuerbaren Energien wieder einholt. Schließlich kennen Wissenschaftler den Treibhauseffekt schon seit Jahrzehnten und beschreiben die Folgen der Erderwärmung immer genauer.
Schöpfungsauftrag
„Die Zeit zum Handeln läuft uns davon“, sagte Akademiedirektor Siegfried Strobel (Karlsruhe), zur Eröffnung einer Tagung der Evangelischen Akademie in Bad Herrenalb. „Der Schöpfungsauftrag zu bebauen und zu bewahren muss uns heute mit allen vorhandenen Möglichkeiten zum Handeln drängen“. Die Tagung setzte sich mit der Energiepolitik der Zukunft und den Vorteilen dezentraler und zentraler Techniken auseinander, zeigte aber auch die gesellschaftlichen und politischen Konsequenzen des Themas auf.
Wegducken gilt nicht
Was ist zu tun? Prof. Manfred Fischedick, Vizepräsident des Wuppertal Instituts für Klima, Umwelt, Energie erklärte, dass der Klimawandel zum limitierenden Faktor für das menschliche Leben geworden sei. Überschreite die Zunahme der Weltmitteltemperatur den Wert von 2 Grad Celsius, drohten kaum mehr umkehrbare Klimaveränderungen, denen die ganze Menschheit ausgeliefert sei. Klimaschutz sei das Gebot der Stunde, dabei gebe es nicht den einen Klimaschutzpfad. Notwendig sei es, auf einen Mix von Strategien zu setzen und vor allem sofort und konsequent zu handeln: „Wegducken gilt nicht“. Fischedich wies auf die Notwendigkeit hin, die Systeme konventioneller und erneuerbarer Energieerzeugung kompatibel zu machen.
Nachhaltigkeit als Überlebensstrategie
Eine der ambitioniertesten Konzepte zur weltweiten Energieversorgung hat der Physiker Gerhard Knies (Hamburg) mit DESERTEC initiiert. Es sieht vor, mittels solarthermischen Kraftwerken in Wüsten weltweit sauberen Strom zu erzeugen und in die Ballungszentren dieser Erde zu liefern. „Nachhaltigkeit ist die Überlebensstrategie auf einem endlichen Planeten“, unterstrich Knies. Das Überleben von 10 Milliarden Menschen sei nur mit einer zuverlässigen Energieversorgung und Klimastabilität denkbar. Zugleich hob er die Offenheit seines Konzeptes hervor: „Mir ist es egal, ob jemand den Strom auf seinem eigenen Balkon erzeugt oder aus einem Kraftwerk vom Nordpol holt“. Am Ende zähle nur, dass es dem Übergang zu einer nachhaltigen Energieerzeugung diene.
Inteliigente Netze
Die Bedeutung eines intelligenten Energienetzes, dem so genannten „Supersmart Grid“ als Infrastruktur für 100% erneuerbare Energien rückte Johan Lilliestam, Projektmitarbeiter vom Potsdam Institut für Klimafolgenforschung ins Blickfeld. Vor kurzem hätte man noch über die Vorstellung gelacht, mit Gleichstromnetzen das Potential der erneuerbaren Energien erschließen zu können. Inzwischen seien die Chancen einer Vernetzung von Solarstromprojekten in der Wüste und Offshore-Windparks in der Nordsee aber in Politik und  Gesellschaft angekommen.
Blumenstrauß an Lösungsansätzen
Wolfgang Kerner (Garching), bis 2009 verantwortlich für die Gesetzgebung im Energiesektor der EU, bezeichnete den Intelligente Netze als geeignete Lösung, „um den Strom aus erneuerbaren Quellen zum Kunden zu bringen“. China sei bei dieser Technik Vorreiter. Allerdings bedeute dies in großem Maßstab zu investieren, auch sei es nötig, die Bürger für diese zukunftsweisende Technik zu begeistern, am besten bevor es zu Krisen in der Öl-, Gas- und Stromversorgung kommen wird.  Sylvia Pilarsky-Grosch, Vizepräsidentin Bundesverband „WindEnergie e. V.“  sprach von einem „Blumenstrauß an Lösungsansätzen“, die der Ausbau erneuerbarer Energien ermögliche. Sicher sei, dass man neue Stromtrassen von Nord nach Süd und von Ost nach West benötige, will man die EU-Klimaziele eingehalten. Der Experte der Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ), Dieter Uh (Rabat), berichtete über die erfolgreicher Förderung von Projekten erneuerbarer Energie in Marokko: die Solarenergie biete diesem Schwellenland, das 96% seines Energiebedarfs importieren muss, eine Option für eine sichere, nachhaltige und preiswerte Stromversorgung.
Wertschöpfung in der Region
Auf die Beziehung zwischen lokaler Energieproduktion und lokaler Wertschöpfung machte Bene Müller, Geschäftsführer der Solarcomplex AG (Singen) aufmerksam: Bislang habe man die Einführung erneuerbarer Energien unter falschen Vorzeichen diskutiert. Die wenigsten Menschen ließen sich von ökologischen Überzeugungen leiten, sondern wollten ihre ökonomischen Vorteile wissen, die erneuerbare Energien bieten. Müller rechnet mit einer zukünftigen Preissteigerung von 10% bei fossilen Energien: „Ein ungedämmtes 70er Jahre Haus ist unter diesen Voraussetzungen in 15 Jahren kaum mehr bezahlbar“. Der Einsatz heimischer erneuerbarer Energien sei lohnend, wie die so genannten „Bioenergiedörfer“ in der westlichen Bodenseeregion zeigten, die ihren eigenen Strom und ihre eigene Wärme erzeugten. Das Geld fließe bei diesem Konzept nicht mehr nach Abu Dhabi, sondern bliebe Wert schöpfend in der Region. Gewinner seien die Land- und Fortwirtschaft, aber auch die Handwerksbetriebe in der Region. Müller erinnerte daran, dass man zwanzig Jahre nach dem zweiten Weltkrieg Deutschland wieder aufgebaut habe: Wenn man heute so zupacke wie damals die Trümmerfrauen, sei die kollektive Aufgabe des Umstiegs auf erneuerbare Energien in zwanzig Jahren erledigt.
Kein Klimaschutz ohne Klimagerechtigkeit
Der Volkswirt Richard Brand vom Evangelischen Entwicklungsdienst Deutschland (Bonn) bezeichnete die Energiewende hin zu erneuerbaren Energien als Beitrag für eine globale gerechtere Welt. Klimaschutz und Klimagerechtigkeit müssten zusammengedacht werden, anderenfalls richte sich der Klimaschutz gegen die Armen. In der Klimapolitik gebe es eine gemeinsame, aber auch differenzierte Verantwortung: die Industrieländer, die von der bisher ungebremsten Entwicklung profitiert hätten, müssten in Sachen Klimaschutz in Vorleistung gehen.                                                          Ralf Stieber, Karlsruhe, 22. Nov. 2010
 
 
Haus liefert Energie für Bewohner und deren Autos
 
Plusenergiehaus als "Tankstelle"
Beim Realisierungswettbewerb "Plusenergiehaus mit Elektromobilität" des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS) ging der erste Preis an das Institut für Leichtbau, Entwerfen und Konstruieren (ILEK) in Stuttgart. Das unter der Leitung von Werner Sobek entwickelte Gebäude wird bis Mitte 2011 in Berlin gebaut werden. Die optimierte räumliche Ausrichtung und die architektonische Integration von Photovoltaik und Solarthermie machen es möglich: Das ausgezeichnete Haus der Zukunft produziert mehr Energie als es braucht, es versorgt zusätzlich die Elektrofahrzeuge der Bewohner und kann darüber hinaus auch noch Strom in das öffentliche Netz einspeisen.
 
Das Pilotprojekt optimiert die Energieerzeugung am Gebäude und bindet die Elektromobilität in ein intelligentes Energiemanagementsystem ein. Angestrebt wird, dass das Gebäude sich und seine Bewohner sowie mehrere Fahrzeuge mit einer durchschnittlichen Jahresleistung von insgesamt ca. 29.000 km allein aus Umweltenergien versorgen kann. Ein weiteres Ziel ist es, das Haus am Ende seiner Nutzung vollständig recyceln zu können. Mit diesem ganzheitlichen Konzept wird „Nachhaltigen Bauen“ weiter gefasst.
Immobilie ermöglicht Mobilität
An den gläsernen Versorgungskern schließt sich zur Gartenseite ein kompaktes Gebäudevolumen an; zur Straßenseite hin dient eine offene, ungedämmte Rahmenkonstruktion als großes "Showcase", in dem die energetisch relevanten Komponenten präsentiert werden. Die räumliche Ausrichtung des Modells unterstützt die Optimierung der solaren Gewinne bei gleichzeitiger Minimierung der Verluste. Photovoltaik und Solarthermie werden architektonisch so integriert, dass mehr Energie produziert wird, als zur Versorgung des Gebäudes und der Fahrzeuge notwendig ist. Das neue Gebäude des ILEK demonstriert Besuchern die zukünftige engere Verknüpfung von Mobilität und Wohnen über ein mehrstufiges Ausstellungskonzept.
Smart Home - ein weiterer Prototyp
Ein weiterer Prototyp für den energieeffizienten Haushalt der Zukunft steht es auf dem Gelände des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT). Das Smart Home der Forschungsinitiative MeRegioMobil ist bereits bezugsfertig. Das Fertighaus mit einer Fläche von etwa 80 Quadratmetern bindet auch Elektrofahrzeuge als Stromspeicher und Stromverbraucher in die intelligente Steuerung mit ein. So trägt das vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi) geförderte Projekt Smart Home als Testlabor dazu bei, innovative Elektrofahrzeuge als mobile Stromspeicher in das Energiesystem von morgen zu integrieren.
 
Ausgestattet mit typischen Verbrauchern und dezentralen Erzeugern nutzt es als Stromerzeuger eine Photovoltaikanlage sowie eine Mikro-Kraft-Wärme-Kopplungsanlage; Verbraucher sind typische Haushaltsgeräte wie Waschmaschine, Spülmaschine oder Kühlschränke. Eingesetzt werden konventionelle, marktübliche sowie „intelligente", steuerbare Elektrogeräte.
Eine Ladestation bindet Elektrofahrzeuge als Speicher und Verbraucher ein. Die Batterie des Fahrzeugs kann in Niedriglastzeiten überschüssigen Strom aufnehmen und diesen in Hochlastzeiten ins Netz zurückspeisen. So lassen sich Lastspitzen ausgleichen und regenerative Energien aus schwankenden Quellen in das Energiesystem stärker integrieren. Die Bewohner des Smart Home werden für mehrere Monate in dem Haus wohnen und die entwickelten Komponenten nutzen und bewerten.
 
 
Zur Erinnerung:
Vortrag: DESERTEC - EU MENA "Vision zur solaren Vollversorgung Europas"
 
Referent: Dr. Franz Trieb, Institut für technische Thermodynamik, Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), Stuttgart
Dienstag: 07.12.2010 19.00 Uhr
Veranstaltungsort: Redtenbacher Hörsaal, Geb. 10.91, Engelbert-Arnold-Str. 4, 76131 Karlsruhe
Interaktiver Camusplan: www.uni-karlsruhe.de/info/campusplan > Suche nach Hörsälen > Redtenbacher Hörsaal
 
Ein weiterer Interessanter Vortrag: Netzintegration erneuerbarer Energien
Referent: Dr. Ingolf Quint, Geschäftsführer Kommunale Netzgesellschaft Südwest mbH
Mittwoch: 08.12.2010 19.15 Uhr
Interaktiver Camusplan: www.uni-karlsruhe.de/info/campusplan > Suche nach Hörsälen > Elektrotechnik, Kleiner Hörsaal (Kl. ETI)
Wer nicht an der Veranstaltung teilnehmen kann, findet viele Infos unter > www.netzintegration-erneuerbare-energien.de

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