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Projektbereich ENERGIE
Projekt: Solares Kochen
Workshop zur systematischen Einführung von solarem Kochen in Kolumbien
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Als Teil der versprochenen Unterstützung für die Preisträger des "Change the World - Best Practice Award" führte die Partnerorganisation des Club of Budapest, Terra One World Network, im Mai 2003 bei dem Preisträgerprojekt Fundaec in Kolumbien ein Trainingsprogramm für solares Kochen durch. Eines der Ergebnisse davon ist u.a. die Gründung eines landesweiten Netzwerks von NGOs für die schnelle Verbreitung dieser Technologie in Kolumbien. Das Trainingsprogramm wurde von Terra-Mitglied Heike Hoedt (Foto: unten vor Parabol-Spiegel) durchgeführt und aus dem Erlös der Benefizversteigerung des Club of Budapest bei der Preisverleihung im Oktober 2002 finanziert.
Der Bericht von Heike Hoedt:
Bereits im März 2002 fand in Aislingen ein Treffen des Arbeitskreises Erneuerbare Energien von Terra e.V. statt, bei dem unter anderem beschlossen wurde gemeinsam der kolumbianischen Stiftung FUNDAEC eine Zusammenarbeit anzubieten. Anwesend waren Vertreter von Terra e.V., sowie Solare Brücke e.V. und EG-Solar, die letzteren beides Organisationen aus dem Bereich „Erneuerbare Energien in der Entwicklungszusammenarbeit“. Die grundlegende Idee war das hervorragende ländliche Bildungs- und Entwicklungssystem das FUNDAEC innerhalb der letzten 30 Jahre entwickelt hat durch Spezialwissen über die Anwendung von Erneuerbaren Energien im ländlichen Raum südlicher Länder zu bereichern.
Als Gustavo Correa (FUNDAEC) im Oktober in der Paulskirche den Best Practice Award des Club of Budapest stellvertretend für FUNDAEC entgegenahm, bestätigte er in einem kurzen Gespräch mit Vertretern von Terra e.V. das Interesse von Seiten FUNAECs an diesem Vorschlag.
Im November 2002 begann zwischen Pascal Molineux (Dozent am Centro Universitario de Bienestar Rural, FUNDAEC) und Heike Hoedt (Solare Brücke e.V., Terra e.V ) eine intensive Korrespondenz mit dem Ziel die geplante Zusammenarbeit zu konkretisieren.
Es begann die Planung eines Seminars am Centro Universitario de Bienestar Rural in Perrica Negro, ca 40 min von der kolumbianischen Großstadt Cali entfernt.
Das Seminar mit Schwerpunkt auf der einfachen Nutzung von Sonnenenergie auf dem Land fand vom 5. bis 9. Mai 2003 im oben genannten Universitäts-Zentrum statt. Es war vom Universitäts-Zentrum landesweit ausgeschrieben worden, Adressaten waren kolumbianische Umwelt- und Bildungsorganisationen (NGOs , aber auch Lankreisverwaltungen) mit einem Schwerpunkt in der ländlichen Bildungsarbeit. Die Teilnehmerzahl war auf 30 beschränkt. Es waren sowohl Organisationen aus dem ganzen Land, mehrere Studenten des Centro Universitario de Bienestar Rural (auch aus Honduras und Südafrika), als auch drei Professoren des CUBR, sowie ein Hersteller von solaren Warmwasseranlagen aus Cali beteiligt. Das Universitätszentrum verlangte pro Teilnehmer ein Gebühr von ca 27 US$, damit konnte Unterkunft und Verpflegung der Teilnehmer, anfallende Werkzeug und Materialkosten, sowie Kosten für Kopien vielfältiger Unterlagen gedeckt werden.
Das Seminar begann mit einem öffentlichen Vortrag mit dem Thema „Wieso Sonnenenergie ?“, in dem Grundlagen der heutigen globalen Energiesituation dargelegt wurden. Es wurde besonders auf die beginnende Resourcenverknappung und die drohende Klimakatastrophe mit ihren ökologischen uns sozialen Auswirkungen eingegangen. Der Vortrag wurde im Kulturzentrum der nahen Stadt Puerto Tejada gehalten.
Den weiteren Verlauf des Seminars prägten die praktischen Workshops, abgewechselt mit kurzen Theorie-Einheiten, die grundlegendes über Nutzung, Wartung, Herstellung und Verbreitung der vorgestellten Technologie vermittelten.
Da die für das Seminar geplante Zeit sehr kurz war, um einen vielfältigen Eindruck vom Potenzial der Anwendung einfacher Solartechnoligie auf dem Land zu vermitteln, wurden in dem Workshops Bausätze verwendet. Die Teilnehmer arbeiteten in Fünfer- Gruppen. Sie setzten pro Gruppe einen Parabolreflektor sowie einen Sonnenofen zusammen. Auch ein Modell einer Warmwasser-Anlage wurde erstellt. Mit Hilfe einer mitgebrachten Solarlampe wurde das Thema ländliche Elektrifizierung mit Fotovoltaik behandelt. Obwohl das Wetter meist wolkenverhangen, mit täglichen Regenschauern, war, konnten einzelne Sonnen-perioden genutzt werden. Wir konnten Reis, Spagetthi, Kartoffeln und verschiedene Gemüse kochen und sogar einen Bananen-Kuchen backen.
Da einer der Teilnehmer, Francisco J. Bueno L., Hersteller von solaren Warmwasseranlagen ist, wurde in Anschluss an das Seminar unter seiner Leitung eine Exkursion zu einem Krankenhaus in Cali, welches sein gesamtes Warmwasser mit Sonnenkollektoren erzeugt, durchgeführt.
Nach dem praktischen Teil des Seminars wurde in den Arbeitsgruppen überlegt wie diese Technologien verbreitet und in die bestehenden Institutionen integriert werden können bzw. wie die Verbreitung finanziert werden kann. Im Plenum wurden dann die verschiedenen Lösungsansätze vorgestellt und diskutiert.
Die Teilnehmer waren sich einig, dass das Solare Kochen sinnvoll und im Rahmen ihrer Arbeit praktisch anwendbar ist. Viele kennen die Ökologischen und sozialen Folgen der Entwaldung unmittelbar aus ihrer Region. Mehrfach wurde der Wunsch geäussert sogleich konkrete Schritte zu ergreifen.
Daraufhin wurde spontan ein landesweites Netzwerk gegründet, dass diese Arbeit erleichtern soll. Die Koordination übernahm Pascal Molineaux. Es wurde eine Sekretärin und Regionalvertreter für die verschiedenen Landesteile bestimmt. Unter den formulierten Zielen steht an erster Stelle die Sensibilisierung für das Thema innerhalb der vertretenen Institutionen, um deren volle Unterstützung zu gewinnen. Später sollen andere Institutionen mit ins Boot geholt werden um dann gemeinsam nach aussen zu treten und die Verbreitung der Solarkocher in vielfältige Aktivitäten zu integrieren.
Die im Seminar gebauten Solarkocher wurden unter den Teilnehmern nach dem Kriterium des größten unmittelbaren Nutzen verteilt. Dies bedeutet aber, dass nicht alle Organisationen die Vertreter geschickt hatten nun Sonnenkocher zur Verfügung haben. Daher müssen zunächst weitere Kocher gebaut werden. Bei den Sonnenöfen stellt dies kein Problem dar, denn alle Materialien sind lokal verfügbar und jeder Schreiner kann mit Hilfe der nun Ausgebildeten Kursteilnehmer Sonnenöfen bauen.
Die Parabolreflektoren, die grosses Interesse erweckt haben, hängen aber von der Zulieferung der Reflektorbleche aus Deutschland ab. Francisco Bueno erklärte sich bereit in seiner Werkstatt die Parabolreflektoren herzustellen und zum Herstellungspreis an die beteiligten Organisationen abzugeben. Es wird auch überlegt in die Produktion arbeitslose Jugendliche zu integrieren, da eine der vertretenen Organisationen (SANBAL) mit dieser Zielgruppe arbeitet. Die Herstellung der ersten Kocher in einer zentralen Werkstatt ist aus logistischen Gründen und um die Qualität zu sichern äusserst sinnvoll.
Um die Reflektorbleche aus Deutschland zu beziehen werden nun Abklärungen über die nötige Stückzahl und über den Preis durchgeführt. Sehr erstrebenswert wäre es wenn die ersten Reflektorbleche aus Deutschland subventioniert werden könnten, damit die Verbreitung der Technologie zügig beginnen kann und nicht an den Kosten scheitert, bevor die beteiligten Organisationen das Potential voll erkannt haben.
Das gegründete Netzwerk hat sich ausserdem zum Ziel gesetzt eine Präsentationsmappe zusammenzustellen, in der sich jede der beteiligten Organisationen vorstellt und erörtert wie sie die Solarkocher in ihre Aktivitäten einbeziehen wird. Mit dieser Mappe soll national und international aus die Suche nach Sponsoren gegangen werden. Sponsoren sind deshalb nötig, da zum einen die beteiligten Organisationen zum Großteil NGOs sind und zum anderen, da es hauptsächlich um die Arbeit mit der benachteiligten Landbevölkerung geht, deren tägliches Leben immer auch von der Finanznot gekennzeichnet ist.
Das Seminar wurde von folgenden Organisationen und Personen unterstützt:
Terra e.V.
Solare Brücke e.V.
EG-Solar e.V.
Walter Trautwein
Sebastian Rieder
Wolfgang Scheffler
Heike Hoedt
Der Tag vor und nach dem Seminar wurde von mir genutzt, um die Arbeit der Gemeinden in Puerto Tejada und Padilla näher kennenzulernen. Ausserdem hatte ich ein Treffen mit der Rektorin des Centro Universitario de Bienestar Rural, Haleh Abab de Correa , die bei FUNDAEC mit führend arbeitet. Es werden verschiedene Themen in Bezug auf die Zusammenarbeit von Terra e.V. und FUNDAEC besprochen.

